1897 legte Adolf Erman einen Artikel vor, in dem er versuchte, die meroitische Hieroglyphenschrift zu entziffern. Das Meroitische ist die älteste subsaharische Schriftsprache Afrikas und war zwischen 250 v.Chr bis 400 n.Chr. im Reich von Meroe in Gebrauch. Sie ist sprachlich nicht mit dem Ägyptischen verwandt. Das ist einer der Gründe, warum Ermans Versuch scheiterte. Hinzu kommt, da Erman weder den Alphabetcharakter des Meroitischen erkannte, noch die Gleichwertigkeit der Hieroglyphen und Kursivzeichen, mit denen das Meroitische geschrieben werden konnte. Ermans Schrift reiht sich in Reihe ähnlicher Entzifferungsversuche von Samuel Birchs (1868), Heinrich Brugsch (1887) und Archibald Henry Sayces (1909) ein, die aber ebenfalls scheiterten. Es blieb dem Engländer Francis Llewellyn Griffith vorbehalten, 1909 das Meroitische zu entziffern, eine gro artige Leistung, die der Champollions in nichts nachsteht. Inhaltlich verständlich ist das Meroitische auch heute noch nur sporadisch. Das trifft auch auf die meroitischen Texte in Ermans Artikel zu. Lediglich einige wenige Wörter sind übersetzbar und die grammatische Struktur der Sprache ist nur in Ansätzen erkennbar. Die inhaltliche Erschlie ung des Meroitischen steht also noch aus.