SIEBENUNDVIERZIG ZEBRAS
Siegmund Weber z hlt Zebras.
Jeden Morgen, w hrend die Stimmen seiner Eltern durch ein Loch im Fu boden kommen, w hrend sein K rper in einem Nachthemd unter Laken liegt, die nicht stark genug sind, w hrend seine Frau Katja neben ihm schl ft wie jemand, der trinkt, weil er sonst weinen w rde - z hlt er die Zebras auf dem Poster an der Wand.
Siebenundvierzig St ck. Alle in eine Richtung. Frei.
Das war einmal sein Leben: Nach der ersten Ehe zog er zur ck ins Elternhaus. Dann traf er Katja. Vier Jahre Hoffnung. Dann kam der Krebs, und mit ihm die Wahrheit: Eltern sind nicht einfach b se. Sie m ssen nur jahrzehntelong perfektioniert haben, wie man einen Menschen unsichtbar macht, w hrend man ihn kontrolliert.
Margarete nennt ihn einen Simulanten. Sie erz hlt das in der Apotheke, beim B cker, auf der Stra e. Sie hat das System perfektioniert: Sei freundlich. Sei h flich. Und zerst re deinen Sohn langsam, w hrend alle zusehen und nichts sagen.
Helmut sitzt in seinem Stuhl und kritisiert jeden Ton seiner Stimme. Jedes Wort, das Siegmund sagt, ist falsch. Das funktioniert wunderbar, weil Siegmund l ngst angefangen hat, sich selbst zu glauben.
Seine Frau Katja liebt ihn. Wirklich. Aber vier Jahre sind lang. Zu lang. Und Liebe kann manchmal nicht gegen Menschen ankommen, die gelernt haben, dass Liebe aussieht wie Kontrolle.
Siegmund schreibt drei B cher. Das letzte sagt die Wahrheit. Ein Interview. Ein Gerichtsstreit. Ein Datum: der 24. Dezember 2024. Die R umung. Der Winter. Das Ende.
Dann wacht er eines Morgens nicht mehr auf.
Das Buch bleibt. Die Wahrheit bleibt. Aber die L ge lebt weiter, erz hlt von denen, die alles kontrolliert haben. Und keiner wird sie unterbrechen.
Zu f nfundneunzig Prozent eine wahre Geschichte. Ein Buch f r alle, die wissen, dass die allt gliche Zerst rung schlimmer ist als das Spektakul re. Dass die L ge weiterleben wird, lange nachdem der Mensch gegangen ist.
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