Es gibt Begegnungen, die nicht am Tag des ersten Blicks beginnen. Manche Menschen kennen einander, lange bevor sie sich je gegen bersitzen - vor den Namen, vor den K rpern, vor aller Zeit. Wir - Das Echo des Morgen erz hlt von zwei solchen Seelen. Sasa und Dijana geh ren einander, ehe sie voneinander wissen, und ihre Verbindung tr gt keinen Anfang, den man datieren k nnte.
Jugoslawien, am Rand seines Zerfalls. In einem ordentlichen Haus w chst Sasa auf - zwischen einem Vater, der alles genau nimmt, einer Mutter, die zwischen den Welten vermittelt, und der Gro mutter Mara, die schweigt und dabei alles sieht. In Sarajevo lebt Dijana, die Tochter eines Fliegers, ein in sich gekehrtes M dchen, das zuh rt, ehe es fragt. Die beiden trennen Berge, eine Grenze und ein Krieg, der noch keiner ist. Und doch sind sie l ngst verbunden.
Denn beide tragen ein Erbe. Zwei Gro v ter, zwei Wissenschaftler aus demselben Institut, haben ihren Enkeln je ein Ding aus demselben unbegreiflichen Stoff hinterlassen - Sasa einen Stein, Dijana einen Anh nger. Beides ist mehr als Schmuck: etwas, das wartet. Und eines Tages, als Sasa springt und die Welt f r einen Atemzug stillsteht, antwortet in einer anderen Stadt der Anh nger an Dijanas Hals. Ein d nner Faden spannt sich zwischen zwei Orten, die einander nicht sehen.
Dann kommt der Krieg wirklich. Er nimmt Titel und H user, l sst Namen verbrennen und zwingt jeden, das Schwerste zu lernen - das Loslassen. Was bleibt, ist leiser. Es liegt in einem H ndedruck, in einem Stein in der Hosentasche, in einer Stimme, die im Kopf nachklingt, wenn alles andere verstummt.
Der Krieg treibt beide Familien aus dem Land - bis nach Wien. Ein Wien der neunziger Jahre, das die Entwurzelten aufnimmt und ihnen einen schmalen neuen Halt gibt. Ein Chirurg l dt am Hafen Kisten ab, eine Bibliothekarin klebt zerfallene B cher, damit am Monatsende die Miete bezahlt ist. Eine Stadt, die atmete - fremd und gro z gig zugleich, voller Namen aus alten Romanen, voller Leben, das weiterging.
In dieser Stadt f hren die Wege wieder zusammen, was zusammengeh rt. Sasa und Dijana begegnen einander - und Dijana erinnert sich an das, was Sasa vergessen hat. Durch den Verlust, durch ein offenes Grab, durch die lange Trauer hindurch w chst eine leise Gewissheit: dass wir nicht in der Zeit leben, sondern die Zeit in uns; dass der Tod das Ende einer Rolle ist und niemals das Ende dessen, der sie spielt. "Was sie zur cklassen, ist kein Verlust. Es ist eine Art zu bleiben."
Wir - Das Echo des Morgen ist ein Roman ber Herkunft und Schicksal, ber Familie, Krieg und Wiederkehr. ber zwei Seelen, die einander schon liebten, ehe die Welt sie trennte. Und ber jenen Klang, der aus einem Morgen zu uns zur ckkehrt, das l ngst gewesen ist - das Echo eines Tages, an dem niemand mehr fragt, ob Liebe enden kann. Weil alle l ngst wissen, dass sie es nie konnte.