Die Dichtung des russisch-amerikanischen Literaturnobelpreistragers Iosif Brodskij ist in hohem Masse autoreflexiv. Sie lasst sich als Poesie bestimmen, die in der Darstellung der Zeit sich zugleich selbst mitdarstellt, da ihre konstanten Reflexionspunkte das Phanomen der Zeit und die (eigene) Sprache sind. Die Studie untersucht diese beiden Koordinaten unter der Voraussetzung, dass sie im Gedicht in einer unlosbaren, sich wechselseitig erhellenden Legierung vorliegen und sich nicht - wie bisweilen versucht wurde - als jeweils isolierbares Problem darstellen lassen. So werden die bei Brodskij zeitlich zu fassenden kardinalen Fragen nach Tod und Erinnerung, Augenblick und Prasens, Geschichte und Mythos in all ihren poetologischen Implikationen beleuchtet. Unter dem Blickwinkel der Sprache wiederum lassen sich essentielle Traditionsbindungen an andere Dichter und deren Dichtungskonzepte aufzeigen. Dabei beleuchtet die Autorin Brodskijs Poetik nicht nur von deren zentralen Elementen her, sondern eroffnet durch das breite Fundament des analysierten Textkorpus auch neue Zugange zu seinem komplexen Werk.
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