Das Ph nomen des "Primitivismus" wurde lange auf die Rezeption von au ereurop ischer Kunst beschr nkt; der breite Bedeutungshorizont, den der Begriff des "Primitiven" vom Mittelalter bis zur Aufkl rung hatte, blieb dabei jedoch unber cksichtigt. Als Synonym f r gesellschaftliche "Naturzust nde" bzw. "urt mliche" Entwicklungsstadien in der Kunst war das "Primitive" stets Hoffnungstr ger utopischer Visionen, die eine Regeneration vermeintlich dekadenter Gesellschaftsformen verhie en. Das Werk von Vincent van Gogh wurde bisher nur ansatzweise im Kontext einer "primitivistischen" sthetik diskutiert. Neben japanischen Holzschnitten orientiert er sich an der holl ndischen und franz sischen Malerei des 17. und 18. Jhdts., wobei er besonders Rembrandt und Millet zu seinen Vorbildern z hlt. Van Goghs "Primitivismen" umspannen somit einen weiten Horizont an Ausdrucksm glichkeiten und Sujets, die von Bauerndarstellungen bis zu den expressionistischen Methoden einer "rohen Malerei" reichen. In seinen Vorbildern will er nicht nur eine k nstlerische, sondern eine gesellschaftliche Generation wiedererstehen lassen, welche die Reglements der Industrialisierung berwinden soll.
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