An Werken von Leopold Kompert, Stefan Zweig, Else Lasker-Schuler, Franz Werfel und Arnold Zweig schildert dieses Buch, wie deutsch-judische Autoren zwischen 1848 und 1948 das Motiv Jerusalem fur die Auseinandersetzung mit der Frage der Identitat nutzten. Diese Autoren stammten aus dem sakularen deutsch-judischen Burgertum, das auf die staatsburgerliche Gleichberechtigung in Europa hoffte und mit Jerusalem oft keine Lebenswirklichkeit mehr verband. Dennoch griffen sie zuruck auf biblische Erzahlungen uber Jerusalem als Ort des Ursprungs und der verheissenen Erlosung. Sie suchten nach modernen Interpretationen der uberlieferten Jerusalem-Mythen und brachten diese in die gesellschaftlichen Debatten um Gleichberechtigung, Sozialismus, Kosmopolitismus, Zionismus und den sich verstarkenden Antisemitismus ein. Jerusalem verlor hier seine Ortlichkeit und wurde zum Schrift-Raum, in dem Auswege aus der starken Spannung zwischen den Zwangen der Herkunft und den Moglichkeiten der Selbsterfindung inszeniert wurden.
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