In einer flexiblen Gesellschaft ver ndert sich die Wahrnehmung des rituellen Portfolios der Kirchen. Das kasuelle Feld weitet sich und differenziert sich aus, u.a. durch kirchliche Kasualagenturen. Die religionskulturellen Verwerfungen wirken sich nicht nur auf die vier klassischen Kasualien Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung aus, daneben etablieren sich auch neue Kasualien, wie z.B. Schulanf ngergottesdienste, riskante Liturgien und Benediktionen. Dar ber hinaus unterliegen die Sonntagsgottesdienste einer Kasualisierungsdynamik. Diese Differenzierungsprozesse erfordern einen integralen Theoriezugriff und einen weiten Kasualbegriff. In diesem Band werden Kasualien als "Angelegenheiten" definiert. Angelegenheiten fordern in der Regel routinierte Instanzen, die sich ihrer annehmen.
Diese Perspektive n tigt zu Umcodierungen und zur Relativierung bestimmter Denkgewohnheiten. So sind Kasualien weder durch einen " bergang" noch durch den Segen hinreichend charakterisiert. Das Geheimnis der Kasualien ist Erinnerung - der Segen ist lediglich das zentrale Medium, das das Erinnern heiligt. Dies ist die Generalthese dieser Kasualtheorie. Kasualien segnen das Zeitliche, indem sie das Hier und Jetzt synchronisieren mit den ewigen Verhei ungen des Alten und Neuen Bundes. Sie rufen diese Gleichzeitigkeit heilsam in Erinnerung und vergegenw rtigen sie in Rede und Ritus.