Die Kunsttheorien des 20. Jahrhunderts wurden "gewi ohne Kenntnis der rhetorischen Tradition geschrieben, mit der sie jedoch auf ausgepr gte Weise zusammenh ngen. Ihre Rekonstruktion ist bis heute ein Desiderat der Kunstgeschichte geblieben." (Historisches W rterbuch der Rhetorik). Diese Arbeit macht es sich zur Aufgabe durch eine rhetorische Interpretation des Textes ber das Geistige in der Kunst einen Beitrag zu dieser Rekonstruktion zu leisten. Die Perspektive rhetorischer Forschung birgt hierbei auf mehrfache Weise einen Vorteil in sich, wobei erstmals gezeigt werden kann, dass Kandinsky die kunsttheoretischen Forderungen seiner Lehre der Affekte und Figuren f r die Malerei auch in der Argumentation des Textes umsetzt. Diese analoge Beschreibung von sprachlichen und malerischen Mitteln anhand rhetoriktheoretischer Begrifflichkeiten macht einen Kategorientransfer m glich, der den Weg zu einer Interpretation der Kunsttheorie Kandinskys ebnet und gleichzeitig belegt, dass Kandinsky die Mittel, die er f r die Malerei fordert, auch einsetzt, um seine Argumentation in ber das Geistige in der Kunst zu st tzen. Damit best tigt die Analyse, was vorab in einem historischen Kontext erarbeitet wurde: ber das Geistige in der Kunst muss als "Deklaration mit Manifestcharakter" oder "heimliches Manifest" gelesen werden.
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