In der Genesis wird Aseneth dreimal erw hnt: als Josephs Frau, als Mutter von Manasse und Ephraim, und ber den priesterlichen Titel ihres Vaters. Sie selbst spricht kein einziges Wort und w nscht, f rchtet oder entscheidet nichts, das auf der Seite sichtbar w rde.
Irgendwo in der antiken Welt fand ein Schreiber das unertr glich, und schrieb den Rest ihrer Geschichte.
Was dabei entstand, ist eine griechische Erz hlung in neunundzwanzig Kapiteln, die Aseneth alles zur ckgibt, was die Genesis ihr vorenthielt: eine Kindheit in Heliopolis, im Herzen des gyptischen Sonnenkults, einen Turm voller G tzenbilder, eine erste Begegnung, die mit Zur ckweisung endet, und sieben Tage in Asche und Schweigen. Dann ffnet sich der Himmel. Ein Besucher steigt zur Stunde des Morgensterns herab, spricht einen neuen Namen ber sie und l sst eine Honigwabe entstehen, die einen Augenblick zuvor noch nicht da war. Bienen steigen aus der Wabe auf. Manche fliegen zum Himmel.
Niemand hat sich je darauf geeinigt, was diese Szene bedeutet. Genau das ist einer der Gr nde, warum der Text berlebt hat.
Dies ist der vollst ndige Leitfaden zu einer der au ergew hnlichsten Erz hlungen der Antike. Sie wurde in einundneunzig Handschriften und neun Sprachen ber vierzehn Jahrhunderte weitergetragen, von Gemeinschaften, die Griechisch, Syrisch, Armenisch, Latein, Altfranz sisch, Mittelenglisch, Kirchenslawisch, Amharisch und Rum nisch sprachen. Fast niemand hat sie heute gelesen.
In diesem BuchGeschrieben f r Leserinnen und Leser apokrypher Literatur, Studierende des Judentums der Zeit des Zweiten Tempels und des fr hen Christentums, alle, die sich f r das antike gypten interessieren, sowie jeden, der geahnt hat, dass den Frauen der Heiligen Schrift weit weniger Raum gegeben wurde, als ihr Leben verdient h tte.
Aseneth wurde nach einer Zufluchtsstadt benannt. Sie sa sieben Tage in Asche, bevor irgendetwas antwortete. Vierzehn Jahrhunderte von Leserinnen und Lesern weigerten sich, ihre Geschichte verschwinden zu lassen.
Drei Verse waren nie genug. Dies ist alles, was sie verborgen hielten.