H fische Konvention und Zeitgeschehen spielen bei Goethes Gelegenheitsdichtungen f r den Weimarer Hof eine ebenso gro e Rolle wie k nstlerische und biographische Dispositionen. Seine Vorstellung von der Offenbarung des G ttlichen in der Gelegenheit (kair s) schafft einen neuen Zugang zur Gattung: Sie erh lt als neu definierte kulturelle Praxisform einen nicht nur sozial, sondern auch sthetisch begr ndeten Wert; die Innovationen zeigen sich besonders in vergleichenden Untersuchungen zu Werken zeitgen ssischer Hofdichter. Goethe schreibt seine Texte grunds tzlich freiwillig, w hlt Themen, Formen (v.a. den Knittelvers als regelrechtes Markenzeichen) und Anl sse selbst. Durch die Verbindung traditioneller Form- und Bildzitate mit eigenen sthetischen Errungenschaften erweitert er die Ausdrucksmittel der Panegyrik: Er reduziert die fr her gattungskonstituierende Casualdeixis und die Huldigungsformeln, individualisiert die Adressatenanrede, privatisiert Tonfall und Themen durch Anspielungen auf pers nliche Eigenheiten und Begebnisse, nutzt die Gattung f r eigene Kunstprogrammatik und macht die "Einwegtexte" sogar der literarischen ffentlichkeit zug nglich. Einzigartige casualpoetische Darstellungsfreir ume erobernd, mischt er sich als Freund, Erzieher und Kritiker des F rstenhauses in die politischen und literarischen Zeitl ufte ein.