In den Jahrzehnten desFin de sieclelag das Schlagwort derFreien Liebein der Luft, feministische und sozialistische Forderungen nach einer Reform oder gar Revolution der Ehe wurden unuberhorbar. Kommentatoren des Zeitgeschehens sahen all dies als Ausdruck einer Krise der Ehe schlechthin. Die Schweiz hatte damals europaweit die hochsten Scheidungsziffern zu verzeichnen. Am Beispiel des schweizerischen Ehe- und Scheidungsrechts macht die Autorin deutlich, dass die Rechtsetzung als Antwort auf eine Krise nicht nur der Ehe, sondern der Geschlechterverhaltnisse und der Moderne generell verstanden werden kann. Die von ihr ausgewahlten Scheidungsprozesse zeigen dabei Paarbeziehungen und Ehekrisen aus verschiedenen Klassen und Milieus. Arni untersucht diese Entzweiungen als gesellschaftspolitisches Problem der Zeit und versteht die Ehekrisen als Teil der jeweiligen Biografien. Aus diesen Lebensgeschichten schalt sich die Problematik der Geschlechterbeziehungen um die Jahrhundertwende heraus: die inneren Widerspruche der burgerlichen Ehe, die prekare Balance von Erwerb, Gefuhl und Macht in der Arbeiterfamilie, die Illusion weiblicher Subjektwerdung in der Angestelltenehe sowie die Unvereinbarkeit von mannlicher Identitat und Freundschaft beim sozialistischen Paar.
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