Wie redet man ber Liebe und vor allem - wie redet man ber das Reden ber Liebe? Diese Fragen stellen sich zwei narrative Grossformen des 14. Jahrhunderts: Hadamars von Laber 'Jagd' und die anonym berlieferte 'Minneburg'. Sie entwerfen in der komplexen Konstellation der zeitgen ssischen, liebesthematischen Dichtung zwei jeweils unterschiedliche Antworten darauf, die ihnen selbst einen Sonderstatus zukommen lassen.
Ihre Positionen innerhalb des poetologischen Diskurses stehen zueinander in direkter Konkurrenz. Insbesondere mithilfe verschiedener Schreibweisen, die von (Klang-)Rhetorik, Intertextualit t und Metaisierung gepr gt sind, arbeiten sie an einer eigenen Metasprache, die gleichzeitig verschiedene Diskurse und Genera miteinander verschr nkt. Sie verhandeln damit nicht mehr nur allegorische Modelle f r das Lieben, sondern sie ziehen eine zus tzliche Metaebene in ihre Texte ein und beteiligen sich am poetologischen Diskurs ihrer Zeit ber das angemessene, affektgetreue und affektgesteigerte Sprechen ber die Liebe. Damit kommunizieren sie ihre jeweils eigene Poetologie im Spannungsfeld von Inhalt und Form, von Tradition und Innovation.