Das Attentat auf Charlie Hebdo und die unter dem Schlagwort Karikaturenstreit bekannt gewordene Kontroverse sind im sogenannten Westen nur sehr unzureichend unter dem Oberbegriff Presse- bzw. Meinungsfreiheit diskutiert worden. Das Problem reicht aber viel tiefer bis in die in vielen religiosen Kulturen wirksamen Bilderverbote bzw. den Verzicht auf bildliche Darstellung hinein. Daher wird hier erstmals die aktuelle Auseinandersetzung in der Philosophie des Bildes zwischen Bildsemiotik und Bildphanomenologie in einen interkulturellen Kontext gestellt und an Reflexionen zu unterschiedlichen Bildgenres (Malerei, Fotografie, Film und Fernsehen) gepruft. Konnen Bilder Abbilder sein, konnen sie dem Abgebildeten entsprechen oder nur auf es verweisen? Was konnen und durfen Bilder? Die vorgeschlagenen Losungen des philosophischen Bilderstreits werden im Lichte der Auffassungen anderer Kulturen verworfen, um mit der Differenzphilosophie und speziell mit Derrida eine neue Losung vorzuschlagen, die es nicht nur erlaubt, Bildauffassungen anderer Kulturen mit einzubeziehen, sondern auch - mit einem anderen Zeichenbegriff - uber die Dichotomisierung von Bildsemiotik oder Bildphanomenologie hinauszugehen.
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