Der Tag beginnt wie jeder andere. Erste Stunde, Deutsch, zu wenig Schlaf. Die Lehrerin macht die Anwesenheit, die Klasse tuschelt, einer tippt heimlich am Handy.
Dann schlägt etwas gegen das Glas der Tür.
Ein Knall.
Noch einer.
Jemand schreit auf dem Flur.
Innerhalb von Sekunden kippt die Welt in ein Vorher und ein Nachher. Die Lehrerin zieht die Tür zu, verriegelt von innen, schiebt einen Tisch davor. Vierzehn Schüler, ein Raum, kein Ausgang. Sie wei nicht, wo der Schütze ist. Sie wei nur, dass er nicht weit ist.
Drau en hallen Schritte. Drinnen bricht ein Mädchen zusammen und bekommt keine Luft mehr. Ein Junge in der hinteren Reihe zittert so stark, dass der Tisch klappert. Einer filmt. Einer will zur Tür, weil seine kleine Schwester in der Parallelklasse ist.
Sie darf die Kontrolle nicht verlieren. Nicht vor den Kindern. Nicht vor dem, der da drau en durch den Flur geht.
Doch je länger sie warten, desto schneller zerfällt die Gruppe. Schuld, Panik, Wut. Alte Konflikte kochen hoch, Geheimnisse platzen - und plötzlich geht es nicht mehr nur darum, zu überleben. Es geht darum, nicht gegeneinander zu kippen.
Später, vor der Schule, wenn Sirenen längst heulen und Mikrofone auf sie gerichtet sind, wird man sie fragen, wie es war.
Warst du eine Heldin.
Warum hast du die Tür nicht früher aufgemacht.
Warum gerade dieses Kind.
Dieser Psychothriller erzählt die Stunden in einem verriegelten Klassenraum - atemnah, körperlich, ohne Abstand. Aus der Sicht der Lehrerin und aus den Augen eines Jugendlichen, der alles sieht und trotzdem nichts sagen darf.
Es geht um Angst. Es geht um Verantwortung. Es geht um die Frage, was ein Mensch bereit ist zu tun, wenn vierzehn Leben an seiner Hand hängen.
Und um das Leben danach.